KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 23/04 vom 02.06.2004

Die große Installation "Gallantry and Criminal Conversation" des britisch-nigerianischen Künstlers Yinka Shonibare gehörte zu den meistbesprochenen Arbeiten der letzten Documenta. Die kopflosen Puppen, die dort unter einer von der Decke hängenden Kutsche Sex auf Reisekisten hatten, überraschten und machten doch schnell klar, worum es ging: Ihre viktorianischen Adelsgewänder bestanden nämlich nicht aus Spitze, sondern aus bunt gemusterter Baumwolle, wie wir sie von traditioneller afrikanischer Kleidung kennen. Inmitten von Konzeptkunst, Fotos und Videos mit tristen Bildern zu Rassismus, Postkolonialismus und Globalisierung wurde Shonibares eingängige Installation für viele Besucher und Kommentatoren zum Angelpunkt. Jetzt hat die Kunsthalle dem gerade für den Turner-Preis nominierten Künstler eine Personale (bis 5.9.) gewidmet.

  Das hervorstechende Merkmal an der schön arrangierten Ausstellung sind und bleiben die Stoffe. Diese Wachsdrucke wurden ursprünglich in Indonesien produziert und kamen später aus englischen und holländischen Fabriken auf den afrikanischen Markt. Shonibare verwendet sie, um eine koloniale Handelsbewegung nachzuzeichnen und um europäische wie afrikanische Identitätsentwürfe zu hinterfragen. Hauptzielscheibe seiner Parodien ist aber die viktorianische Gesellschaft, deren luxuriöses Leben erst durch die Ausbeutung der Kolonien ermöglicht wurde. Weniger vielschichtig gestalten sich die Fotoarbeiten des Künstlers, für die er einfach Weiß gegen Schwarz austauscht und etwa selbst in die Rolle des Dorian Gray schlüpft. Shonibares Strategie mag plakativ sein, aber eine leicht zugängliche Form der Kolonialismuskritik zu finden ist doch eine beachtliche Leistung.


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