Fragen Sie Frau Andrea

Fenstertag

Stadtleben | aus FALTER 23/04 vom 02.06.2004

Liebe Frau Andrea,

gestern Abend standen wir in illustrer Runde am offenen Fenster. In die kühle Mainacht platzte die Frage einer Schweizer Freundin: "Warum heißt bei euch in Österreich der Fenstertag eigentlich Fenstertag?" All unsere Bemühungen, die Unwissende zu einer Wissenden zu machen, schlugen fehl. Können Sie uns helfen? In unerdenklicher Vorfreude auf die Fenstertagserleuchtung,

Mimi, Internet

Liebe Mimi,

ein wichtiger Tag im Arbeitsleben der Österreicher ist der Fenstertag. Das kalendarische Phänomen ist auch in Deutschland unter diesem Namen bekannt und hier wie dort ein beliebtes Datum für spontane Erkrankungen und Kurzurlaube. In den USA, die ansonsten wenig mit deutschsprachigen Arbeitsrealitäten gemein haben, gibt es sogar institutionell einen solchen Bridging Day, Brückentag: Weil Thanksgiving, seit 1621 gefeiert, stets auf den vierten Donnerstag im November fällt, ist der darauf folgende Tag immer ein Fenstertag. Der Fenstertag hat seinen Namen von dem Effekt, der entsteht, wenn Büromäuse ihre freien Tage, Samstage, Sonntage und Feiertage, im Jahreskalender mit großen Xen ankreuzen: Ein freier Tag zwischen zwei solchen Xen sieht aus wie das offene Fenster zwischen rustikalen Fensterflügeln. Wem die Bezeichnung Fenstertag zu banal vorkommt, kann getrost zu raffinierteren Bezeichnungen greifen. So kennen sizilianische Beamte Fensterfreitage und Fenstermontage unter der halbamtlichen Bezeichnung "Santa Fenestra".

"Fragen Sie Frau Andrea" gibt es auch als Falter-Buch! dusl@falter.at


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