Bruderzwist

Politik | aus FALTER 24/04 vom 09.06.2004

Ein Rosenkrieg, noch bevor die Ehe besiegelt ist: Hans Sallmutter, Chef der Gewerkschaft der Privatangestellten, und Rudolf Nürnberger, oberster Metallgewerkschafter, wollen ihre Organisationen fusionieren - und schenken einander seit Wochen ordentlich ein. Hinter dem Bruderzwist steckt zum einen ein "Clash of Civilizations": Der laute Sallmutter wünscht sich eine Kampftruppe gegen neoliberale "Sauereien", der stille Nürnberger sehnt sich nach dem friedlichen Verhandlungstisch der Sozialpartnerschaft. Zum anderen geht es um die Macht im ÖGB. Dessen Organisation, das wissen die Beteiligten, ist überholt. In vielen Betrieben steigen einander die Gewerkschafter von Arbeitern und Angestellten auf die Zehen. ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch schlug deshalb ein logisches Modell vor: Eine starke Zentrale, darunter streng gegliederte Branchenvertretungen. Doch dabei hätten Sallmutter und Nürnberger Macht verloren. Also machte das ungleiche Paar gemeinsame Sache, während Verzetnitsch still hielt, um seine Wiederwahl abzusichern. Am Ende werden wohl alle drei als Verlierer da stehen. Die Rekordarbeitslosigkeit wäre Grund genug, gegen die Politik der Regierung mobil zu machen. Doch stattdessen benehmen sich die Gewerkschafter so, wie es die schwarz-blaue Propaganda nicht besser erfinden könnte: wie machtgeile Apparatschiks. G. J.


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