AUFGEBLÄTTERT

Kultur | FLORIAN KLENK | aus FALTER 24/04 vom 09.06.2004

Juristen, vor allem jene im kontinentaleuropäischen Raum, werden selten verstanden. Kaum jemand durchdringt ihren Fachsprech, in dem es nur so von Paragrafen wimmelt. Umso erfreulicher, wenn sich feine, kleine Aufsatzsammlungen bemühen, die bunte und vor allem politische Welt des Rechts und ihrer Akteure verständlich zu machen.

Im kürzlich erschienenen Kursbuch zum Thema "Neue Rechtsordnungen" ist das wunderbar gelungen. 16 Autoren zoomen hinein in eine Rechtswelt, die von Globalisierung, Terror und Terrorbekämpfung verändert wird. Kai Strittmatter, der China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung etwa porträtiert die junge Garde chinesischer Rechtsanwälte, die ihre ersten Schritte in einem Land ohne unabhängiger Justiz wagt und gegen Korruption und Todesurteile kämpft. Horst Meier hat Zitate von deutschen Polizisten und Intellektuellen in der Debatte um die Zulässigkeit der so genannten "Rettungsfolter" montiert. Der Rechtstheoretiker Klaus Günther berichtet über den Aufstieg internationaler Anwaltsimperien, die de facto ein neues globales Wirtschaftsrecht schaffen, und Christian Bommarius erklärt, wieso es ein "Recht auf innere Sicherheit" nicht geben kann.

  Einen feinen, wenn auch etwas zu umfangreich geratenen Sammelband hat auch der Wiener Rechtsanwalt Alfred Noll vorgelegt. Der Universitätsdozent vertritt nicht nur den Falter vor Gericht, er ist auch einer der wenigen Juristen, die sich an politischen Debatten beteiligen. Seine Kommentare (viele davon im Falter erschienen) wurden nun als "Panoptikum fragwürdiger Rechtszustände" herausgegeben und erinnern daran, dass der Kampf ums Recht vor allem auch ein politischer ist.

Kursbuch: Neue Rechtsordnungen.

Berlin 2004 (Rowohlt). 190 S., E 10,-

Alfred J. Noll: Rechtslagen. Wien 2004 (Czernin). 400 S.,E 29,50


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