KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 24/04 vom 09.06.2004

Eine Glocke läutet in der Ausstellung von Nicolas Jasmin alias N.I.C.J.O.B. im Kunstbuero (bis 26.6.) und verleiht der gelungenen Schau eine feierliche Note. Der in Wien lebende Franzose Jasmin, Jahrgang 1967, arbeitet vor allem im Medium Video und benützt als Rohmaterial ausschließlich Filmfragmente, die er neu rhythmisiert, mixt und loopt. "Rebell Bell", der Titel des Glocken-Films, dient als Leitmotiv für N.I.C.J.O.B.s aktuelle Schau, deren Protagonisten schweigsame, entschlossene Männer wie Soldaten oder Breakdancer mit einer starken körperlichen Präsenz sind. N.I.C.J.O.B. verschränkt Sound und Bild auf raffinierte Weise, wobei er Filmsequenzen vor- und zurückspringen lässt - etwa in dem Film "Trio", wo militärisches Training auf diese Weise zur Sisyphosarbeit wird. Auch die Ausstellungsbesucher involviert N.I.C.J.O.B. physisch: So schwingt die Glocke von "Rebell Bell" hoch über dem Kopf des Betrachters, wohin man nur über einen Holzsteg gelangen kann. Zwei solcher Brücken hat der Künstler genialerweise aus den Brettern des Galerienbodens gezimmert; der entblößte erdige Grund bildet jetzt die perfekte Ergänzung zu den Bildern der Glocke und des soldatischen Drills.

  Im Heiligenkreuzerhof zeigen Studierende der Fotoklasse auf der Angewandten ihre sehenswerte Kunst (bis 3.7.). Der Ausstellungstitel "Rien ne va plus" bezieht sich wohl auf Momente des Leerlaufs und fragilen Gleichgewichts in vielen der Fotos und Videos. Gelegentlich schlägt aber der Humor doch den Existenzialismus: Magda Tóthóvá filmt ihre Hand mit angeklebten roten Fingernägeln, die sie durch ungeduldiges Klopfen ruiniert, während Amin Hak-Hagir ein Action-Painting via Kopfschuss spritzt.


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