Joleschs Welt?

ERICH KLEIN | Kultur | aus FALTER 24/04 vom 09.06.2004

ZEITGESCHICHTE Ein wirklich komplexes Bild des jüdischen Lebens entwirft die Ausstellung "Wien, Stadt der Juden" nicht. Sie folgt den Wien-Selbstdarstellungen mit Habsburgseligkeit und Sisi - nur mit mehr Moral und geschichtsträchtiger Aufgeregtheit versehen.

Was das jüdische Wien betrifft, so verhält es sich gerade nicht wie im Roman von Hugo Bettauer. Der 1872 in Baden bei Wien als Sohn eines Börsenmaklers geborene Schriftsteller hatte in Amerika erste journalistische Erfahrung gesammelt, in Deutschland war er zum skandalumwitterten Aufdecker geworden. Nach Wien zurückgekehrt, wurde der Herausgeber von Sie und Er, einer Wochenzeitschrift für Lebenskunst und Erotik, wegen Sittenlosigkeit angeklagt; freigesprochen und von einem jungen Nazi 1925 erschossen. Bettauer hatte im Lauf weniger Jahre ein Dutzend ziemlich erfolgreicher und trashiger Romane geschrieben, darunter "Stadt ohne Juden". Die aufklärerische Satire auf den in gut österreichischer und wienerischer Tradition stehenden

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