RICHARD POWERS' "KLANG DER ZEIT"

Arktisch weiß und milchkaffeebraun

Kultur | aus FALTER 25/04 vom 16.06.2004

Die jüngste Version des in-dieser-Minute-total-angesagten Shootingstars unter den US-amerikanischen Jungromanciers (siehe auch Artikel auf dieser Seite) ist weder jung, noch ein Shootingstar, aber liefert doch das, was spätestens seit Jonathan Franzens "Korrekturen" ziemlich gut ankommt: ein oppulentes Familienepos made in USA, das noch dazu mit der jüngsten Geschichte der Vereinigten Staaten aufs Engste verknüpft ist (oder diese zumindest kursorisch herbeizitiert).

  Joey und seine Geschwister, der ältere Jonah und die jüngere Ruth, sind Kinder einer (hellhäutigen) Schwarzen und eines aus Deutschland ausgewanderten Juden, dessen Familie von den Nazis ermordet wurde. Als "Mischlinge" stoßen sie nicht nur bei Fremden auf Aggression und Skepsis ("was seid ihr Jungs eigentlich?"), sondern müssen sich auch ganz individuell den Mühen der Identitätsfindung unterwinden, die bei allen ganz unterschiedlich aussehen: Während sich Jonah als gefeierter Tenor Schubert, Brahms und Mahler,

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