STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 25/04 vom 16.06.2004

Arbeit und ihre Repräsentation im Kino steht im Mittelpunkt zweier ganz unterschiedlicher Programmkino-Filme vor der Sommer(kino)pause. Der Spielfilm "Montags in der Sonne" (Regie: Fernando León de Aranoa) stammt aus dem Jahre 2002 und erzählt entlang einer Hand voll (überwiegend männlicher) Protagonisten über das Leben in der Arbeitslosigkeit. Im spanischen Vigo (Atlantikküste) hat die örtliche Fischfabrik vor mittlerweile zwei Jahren geschlossen; ein Großteil der Arbeiter hat keine neue Beschäftigung gefunden und verbringt den Tag auf der Straße, auf dem Arbeitsamt (wo auch bloß Aktenstapel umgeschichtet werden) oder in der Bar des ehemaligen Vorarbeiters Rico, wo man bei (angeschriebenem) Bier über die vergeblichen Arbeitskämpfe und ein mögliches besseres Leben räsoniert. "Montags in der Sonne" sitzt erzählerisch zwischen den Stühlen - auf der einen Seite dem des sozial engagierten Realismus etwa eines Ken Loach, auf der anderen Seite dem eines gewissen Arbeiterklassen-Kitsches, von dem der Film (vor allem in den bedeutungsschweren Dialog- und Musikpassagen) nicht frei ist.

  "Prolet-Kitsch" ganz anderer Art ist "Soy Cuba" (1964), zu sehen im Filmhaus am Spittelberg. Mijail Kalatozovs "Dokumentar"-Film ist das bemerkenswerte Beispiel einer historischen "Zeitmaschine" - ein Stück formalistischen, revolutionären Sowjetfilmschaffens der Zwanzigerjahre, das Anfang der Sechziger im tropischen Kuba landet. In vier Episoden erzählt, besser: rast "Soy Cuba" in atemloser Geschwindigkeit von der Batista-Diktatur und dem ekstatischen Glamour Havannas hinein in die Zuckerrohrfelder hin zu Castros bärtigen Revolutionären. Ein Best of des "Russenfilms", zugleich ein Lehrstück in Sachen formvollendeten (analogen) Effektkinos im Dienste der Politik.


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