Oper auf der Couch

Kultur | PAULUS HOCHGATTERER | aus FALTER 25/04 vom 16.06.2004

OPER 32 Jahre nach der letzten Aufführung kann man an der Wiener Staatsoper Richard Strauss' bukolische Tragödie "Daphne" wieder sehen. 

Daphne" wurde am 15. Oktober 1938 in Dresden uraufgeführt, ein gutes halbes Jahr nach dem "Anschluss" und vier Monate nachdem Sigmund Freud aus Wien nach London emigriert war. Wenn Nicolas Joël in seiner neuen Wiener Inszenierung auf politische Verweise dezidiert verzichtet, so nützt er den anderen Bezugspunkt mehr als ausgiebig.

  Im Mittelpunkt der Angelegenheit steht (auch buchstäblich) die Couch. Ob der rote Kater, der unmittelbar vor derselben oben auf dem Souffleurkasten die ganze Aufführung hindurch abstinent bleibt, den Vater der Psychoanalyse repräsentiert, hat man den Regisseur bis jetzt nicht gefragt. Die Geschichte Daphnes wird jedenfalls als eine auf das Doppelte des Üblichen gedehnte psychoanalytische Sitzung dargestellt, im Rahmen derer sich eine Dame aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert tief in die Fabel von der Nymphe und


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