Venedig am Gürtel

Kultur | CARSTEN FASTNER | aus FALTER 25/04 vom 16.06.2004

OPERETTE Mit einer Neuinszenierung von Johann Strauß' "Nacht in Venedig" geht Rudolf Bergers erste Saison an der Volksoper zu Ende. 

Der Fischimbiss heißt Ostsee, das Tantchencafé Carmen und nicht Aida, sonst aber wirkt auf der Bühne der Volksoper alles wie in einem echten Wiener Einkaufszentrum am Gürtel. Bis hin zum Bankomaten und der Rolltreppe außer Betrieb. Seine Neuinszenierung des wirren Strauß'schen Operettenklassikers "Nacht in Venedig" lässt Regisseur Michael Sturminger nicht in der Lagunenstadt, sondern in der "Shopping City Venezia" spielen. Der Gedanke an real existierende Konsumtempel gürtelaufwärts Richtung Westbahnhof ist wohl durchaus erwünscht.

  Der aktualisierende Kunstgriff des auch filmisch tätigen Regisseurs ("Hurensohn", 2003) geht nicht zuletzt dank einer gelungenen Textadaption im Prinzip gut auf: Statt des feudalen Lehnsherrn Herzog von Urbino will hier ein fragwürdiger Businessman namens Frank Herzog der Gemahlin des Senators Delaqua näher kommen;


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