Fragen Sie Frau Andrea

Ananas

Stadtleben | aus FALTER 25/04 vom 16.06.2004

Liebe Frau Andrea,

meine Freundin und ich versuchen herauszufinden, warum unsere Großeltern und Eltern zu Erdbeeren Ananas sagen. Wo doch Form, Farbe und Geschmack "wirklicher" Ananas überhaupt keine Ähnlichkeit mit Erdbeeren darstellen. Wir sind ratlos.

Liebe Grüße, Thomas, Internet

Liebe Frau Andrea,

nach fast 13 Jahren in Wien ist es für mich Nichtwiener schwer nachvollziehbar, warum die Wiener zu Erdbeeren Ananas sagen. In einem Gespräch mit meinen lieben Bekannten Maria und Heinz blieb diese Frage leider wieder einmal ungeklärt. Wir drei würden

uns sehr freuen, wenn Sie uns diese Eigenart der Wiener Sprache ein wenig näher bringen könnten.

Vielen Dank und liebe Grüße, Markus, Internet

Lieber Thomas, lieber Markus,

die Königin der Beeren war schon in der Steinzeit bekannt. Die Römer nannten die kleine, aromatische Walderdbeere Frega, die "Duftende". In Amsterdam tauchte um 1750 eine neue Art von Erdbeeren auf, die zufällig in Frankreich aus zwei amerikanischen Erdbeerarten entstanden war, die in ihrer Heimat nicht gemeinsam vorkommen: die kleine kanadische Scharlach-Erdbeere und die hühnereigroße Chile-Erdbeere. Die Holländer nannten die neue, selbstentstandene Sorte des Geschmackes und der Form wegen Ananas-Erdbeere. Sie ist die Urstrumpftante unserer Gartenerdbeere (fragaria ananassa) und heißt im pitzlerischen Wien seit dieser Zeit botanisch hochkorrekt Ananas.

"Fragen Sie Frau Andrea" gibt es auch als Falter-Buch! dusl@falter.at


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