STADTRAND

No Nackerpatzerln!

Stadtleben | aus FALTER 25/04 vom 16.06.2004

Kaum steigt das Thermometer etwas über zwanzig Grad, schon reißen sich die Herren die Oberbekleidung vom Leib. Wie schaut das denn aus? Ganz davon abgesehen, dass viele den Unterschied zwischen Boxershort (= Unterhose) und Short (= kurze Hose) noch immer nicht zu kennen scheinen. Gibt es eigentlich eine Kleiderordnung für die Stadt? Und wenn, könnte da nicht einmal wer darauf achten, dass diese von den Stadtbenutzern auch eingehalten wird? Herren mit nackten Oberkörpern sind auf Baustellen okay, in der Schlange im Supermarkt aber eher nicht. Auch in der Bim mag man lieber nicht den Schweiß des Nachbarn mit Hang zum Textilverzicht so direttissima abbekommen. Ebenso wenig angesagt ist oben ohne in Gotteshäusern, Museen oder Konzerten (Ausnahme: Open-Air-Veranstaltungen). Wo kommen wir denn da hin? Lassen demnächst auch die Frauen ihre Oberteile zu Hause? Spazieren alle bald komplett nackerpatzig über den Heldenplatz? Wir sind doch weder in München noch im Englischen Garten! Trikottauschen, nackte Oberkörper und verschwitze Bäuche sind okay bei der Fußballeuropameisterschaft. Auch sollte man den Dresscode im Gänsehäufel oder auf der Donauinsel nicht gar zu streng nehmen und dort (halb-) nackte Tatsachen tolerieren. Aber bitte nicht mitten in Wien. Anziehen, bitte, aber schnell! C. W.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige