STANDPUNKT

Nur net anstreifen

Politik | aus FALTER 26/04 vom 23.06.2004

Wie macht das der Wolfgang Schüssel? Zwei seiner Minister treten zurück, einer tritt wieder vor und es schaut trotzdem so aus, als ginge ihn das nichts an. Aber gut, nach viereinhalb Jahren hat die ÖVP halt schon reichlich Erfahrung darin, wie man damit umgeht, wenn sich der Regierungspartner fast auflöst. Also reagierte sie wie immer: Einer aus dem inner circle, diesmal traf es Klubobmann Wilhelm Molterer, kommentiert die FPÖ-Kalamitäten, wobei seine Aussage möglichst nichts sagend ausfällt. Der Kanzler schweigt so lange wie möglich. Schüssel kann auch zu Hause trefflich mit den Schultern zucken, diesmal hat die FPÖ ihren Selbstmordversuch außerdem netterweise auf jenen Freitag verlegt, an dem er bei einem äußerst wichtigen EU-Gipfel in Brüssel war. Strategisch gesehen, handelt die ÖVP völlig richtig. Wer nicht anstreift, macht sich nicht schmutzig. Seltsam ist nur, dass Schüssel mit dieser Masche in der Öffentlichkeit immer noch durchzukommen scheint. Dabei war er es, der die FP nach Knittelfeld ohne Not ein zweites Mal in die Regierung geholt hat. So seltsam ist das aber auch wieder nicht: Am Samstag war Schüssel im Ö1-"Mittagsjournal" zu Gast. Thema waren die EU-Verfassung und der neue Kommissionspräsident. Zum Schluss erlaubte sich der Interviewer noch eine Frage zur Regierungskrise - die Schüssel natürlich nicht beantwortete. Solange er damit durchkommt! E. W.


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