PRESSESCHAU

Medien | FLORIAN KLENK | aus FALTER 26/04 vom 23.06.2004

Es gibt Kapitel im Medienrecht, die mit der Überschrift "Persönlichkeitsschutz" versehen sind. Sie besagen, dass Bilder von kriminellen Jugendlichen und Verbrechensopfer nicht abzubilden sind. Die Medien haben sich bislang meist daran gehalten. Doch irgendwie scheint dieser Konsens wegzubrechen. Vor allem wenn es um osteuropäische Kids oder Opfer von Eifersuchtsmorden geht. Der Kurier machte unlängst den Anfang und bildete einen jugendlichen Ladendieb mit vollem Gesicht ab. Vergangene Woche brachte das Blatt dann ein Foto von einer geschleppten Chinesin, die noch versteckt in einer Bettzeuglade lag. Sie verdeckt zwar ihr Gesicht, doch man erkennt sie. Im ORF durften die sonst so engagierten Reporter von "Thema" bei einer Razzia gegen jugendliche rumänische Ladendiebe dabei sein. Die Gesichter der Kids waren einmal voll erkennbar. In der Krone wiederum werden die Fotos der Opfer von Eifersuchtsmorden ausgestellt. Ein ermordetes Mädchen und ihr wesentlich älterer, ebenfalls ermordeter Mann sind zu erkennen. Der Kurier macht dasselbe und berichtet gleich, dass die Polizisten auch intime Fotos fanden. All das wäre Stoff für den Presserat. Ach ja, den gibt es ja nicht mehr.


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