STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 26/04 vom 23.06.2004

Das wie eine Beschwörungsformel wiederholte "Es ist ja nur eine Simulation" erfüllt in "Mindhunters" etwa die Funktion des "Bin gleich wieder da" aus dem Teenhorrorfilm: Wer sich unter den Protagonisten anmaßt zu glauben, er hätte alles unter Kontrolle, verliert nicht nur diese, sondern in der Regel auch das Leben. Denn die Gesetze schreibt immer noch das Genre. Renny Harlin, der bei diesem Psychothriller Regie führte, ist jedenfalls ein Meister solcher Konfektionsware, insbesondere auf dem Sektor des Actionfilm. Seine routinierten Arbeiten ("Cliffhanger", "Driven") wissen, wie man Tempo und Spannung erzeugt. "Mindhunters" ist eine Art All-in-one-B-Movie, das gekonnt Motive des Serienkillerfilms mit der Systematik des Closed-Room-Mysteries und des Actionkammerspiels verbindet. Immer wieder schleicht die Kamera um die Gruppe von Jung-FBI-Profilern, die von ihrem Ausbildner (Val Kilmer) zur Trainingsschnitzeljagd auf eine einsame Insel geschickt worden sind - ein Raubtier, das seine Beute bereits kennt. Längst ahnen auch wir, dass die Serienkillersimulation keine ist, dass zwischen Potemkin'schen Fassaden und Schaufensterpuppen bald echtes Blut (unter anderem das von Christian Slater und L.L. Cool J) fließen wird. Wie gesagt: altbekannt und trotzdem spannend.

  Wenig bekannt dagegen sind Produktionskontexte und Inhalte der Filme, die das Filmarchiv Austria noch bis 7. Juli unter dem Motto "Verboten - Verbannt - Wiederentdeckt, Regalfilme aus Zentral- und Osteuropa" im Metro-Kino zeigt. Diesen Freitag um 19 Uhr unter anderem das Weltkriegsdrama "Die Russen kommen", das Heiner Carow ausgerechnet 1968, im Jahr des russischen Einmarsches in die Tschechoslowakei drehte und das in Folge zwei Jahrzehnte auf dem Index der DDR-Zensurbehörden stand. Fotografiert in stark überbelichtetem Schwarz-Weiß, immer wieder unterbrochen von surrealen Tagtraumpassagen, ist dieser Film ein poetisches, darum jedoch nicht weniger radikales Statement gegen jede Form der Bevormundung.


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