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Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 26/04 vom 23.06.2004

Gott sagte: Am siebenten Tage sollst du ruhen. Festwochen-Schauspieldirektorin Marie Zimmermann meint: In der siebenten Woche sollst du dir ein sieben Stunden langes Proust-Projekt ansehen. Zum Abschluss eines langen und breiten Festivals zeigte das ro theater aus Rotterdam vor den hartnäckigsten Festwochenfans im schütter besetzten MuseumsQuartier seine lange und breite Inszenierung "Op zoek naar de verloren tijd", eine szenische Fassung des mehr als 4000 Seiten langen Romanzyklus "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Zu behaupten, die drei Abende wären wie im Flug vergangen, wäre gelogen. Aber am Ende kann man doch froh sein, sie erlebt zu haben. Nicht nur weil das Projekt eine gute Gelegenheit ist, mit relativ geringem Aufwand einen Einblick vom Universum Proust zu bekommen (in sieben Stunden Lesezeit würde man vielleicht gerade mal 200 Seiten schaffen) und sich schöne Sätze zu notieren: "Wer immer nur an Krankheit denkt, wird krank. Wer immer nur an Männer denkt, wird Frau."


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