Fremd im eigenen Land

Kultur | EDGAR SCHÜTZ | aus FALTER 26/04 vom 23.06.2004

LITERATUR In "Die Zugereisten" erinnert sich Lojze Kovacic an eine bittere Kindheit, sein Landsmann Jani Virk liefert einen Schlüsselroman des postkommunistischen Slowenien. 

Manche Dummheiten im Leben lassen sich nicht mehr gut machen. Mitte der 1920er-Jahre wurde dem Vater von Lojze Kovacic, einem "kleinen, schwarzhaarigen, leidenschaftlichen" und vor allem in Basel lebenden Slowenen die Schweizer Staatsbürgerschaft und ein Platz in der Gewerbekammer angeboten. Er lehnte ab. Aus falschem (National-)Stolz. Schließlich wollte er mit seinem Kürschnerladen in der Basler Gerbergasse nur ein bisschen Geld für die hohe Kante verdienen, um später einmal mit seiner Familie in die Heimat zurückzukehren, die damals "Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen" (Kraljevina SHS) hieß. Wer die Entwicklungen der beiden darauf folgenden Jahrzehnte vor Augen hat, wird sich nicht wundern, dass die Mutter - eine "blonde und große" Deutsche - den Vater bis zu seinem Tuberkulosetod mit dem Stoßseufzer


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