AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 26/04 vom 23.06.2004

Stell dir vor, es ist Krieg und Spanien schickt seine Kinder aufs Schlachtfeld. Was tun, wenn man eingezogen wird? Mitmachen? Desertieren? 1999, als "Der Vogel unter der Zunge" in der Heimat des 1970 geborenen Autors Josan Hatero erschien, war nicht absehbar, dass der Roman über soldatische Gruppendynamik fünf Jahre später Weltpolitik kommentieren würde. Hatero begleitet eine Gruppe junger Männer in eine Kaserne. Er schildert die Kampfausbildung, als wäre sie ein Probelauf für den Irak nach Saddam. Die gleichgeschlechtliche Isolation und der tägliche Umgang mit Waffen führen zu Verschiebungen im Hormonhaushalt, den fehlenden Feindkontakt kompensieren die Burschen, indem sie ein paar der ihren zum Feind erklären und angreifen. Zwar wird bei Hatero nicht gefoltert, aber man ist sich als Leser sicher: Die Geschehnisse in irakischen Gefängnissen resultieren aus jenem soldatischen Selbstverständnis, dessen psychische Mechanik der Kurzroman durchexerziert.

  Es handelt sich dabei


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