STADTRAND

Popeln ist gesund!

Stadtleben | aus FALTER 26/04 vom 23.06.2004

Haben Sie's gesehen? Wer allein im Auto sitzt und an roten Ampeln warten muss, dessen Finger wandern vom Lenkrad in die Nase. Bislang war Nasenbohren gesellschaftlich wenig anerkannt. Und gemacht hat's offiziell ohnehin keiner. Alles Quatsch. Alle popeln. Zumindest heimlich. Im Auto, vorm Fernseher (im Fernseher noch nicht!), vorm Computer und wenn keiner herschaut. Und jetzt kommt das Beste: Popeln ist gesund, jawoll! Das behauptet zumindest ein Innsbrucker Lungenfacharzt, der Eltern empfiehlt, ihren Kindern das Nasenbohren nicht zu verbieten. Wieso? Weil es dadurch zu einer mechanischen Reinigung des Riechkolbens kommt, der mit Schnäuzen und Taschentuch nie zu bewerkstelligen ist. Laut Auskenner ist sogar das Verspeisen der zutage geförderten Rammeln empfehlenswert, weil es die Abwehrkräfte steigert. Denn wenn die Bakterien aus der Nase in den Darm kommen, dann muss sich das Immunsystem mit ihnen beschäftigen und bekommt ein Extratraining. Hoffentlich erfährt die Wellnessbranche nichts von diesen neuen Erkenntnissen rund um die Nasenbohrerei. Nicht auszudenken, womit der Markt dann überschwemmt wird: immungesundes Joghurt mit Popel, Mineralwasser mit Rotz, ein spezieller Wellnessdrink. Nicht zu vergessen: Rammelknödel. Eklig? Eklig. C. W.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige