VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 27/04 vom 30.06.2004

1984 war, neben allem anderen, auch das Jahr von Hainburg. Allerorten regte sich Protest gegen das geplante Kraftwerk. "Vor dem Hintergrund der sterbenden Natur ein umso bunteres Schauspiel der Artenvielfalt in der Presse! Eine Pressekonferenz der Tiere, fliegenden Notare, eine Riesenkundgebung - vor solchem Gewimmel suchten wir die Einsamkeit der Au, ehe noch die ,Welle der Sympathie' (Kurier) ihre Ufer netzte."

  Weniger poetisch ausgedrückt, dachten auch wir vom Falter, es wäre an der Zeit, einen Lokalaugenschein vorzunehmen. Umweltschützer hatten uns dazu überredet. So fuhren wir hinunter und stapften etwas befremdet durchs Grüne. Ich erinnere mich gut an meine Skepsis, als einer von ihnen, unter einem riesigen alten Baum stehend, erklärte: "Die Au kriegen die nie!".

  Wir taten uns aber auch in der Bevölkerung um. "Im Stopfenreuther Gasthaus hatten wir es zum erstenmal gehört, in Hainburg, wo wir der Bevölkerung auf die Pelle rückten, hörten wir es immer wieder: Mir ist es egal, da kann man nichts machen, die da oben machen eh was sie wollen etc., wie aus dem Lehrbuch des Untertanen. In einer Stadt, in der 60 Prozent gegen das Kraftwerk unterschrieben haben, brauchten wir ganz schön lang, um jemand zu finden, der sich auch dagegen ausspricht.

  Auf ganz andere Weise war diese Gleichgültigkeit auch in jener Menge zu bemerken, die letzten Donnerstag mit 190 Bussen nach Wien gebracht worden war, um nachdrücklich die Macht der Gewerkschaft darzutun. Eine echte Arbeiterdemonstration! Aber wie teilnahmslos wirkten auch sie, ob sie nun auf dem Heldenplatz ihren Rednern beipflichteten, auf dem Rasen lagen und ihr Bier tranken oder in der Stadt spazierengingen: nicht Teil des Problems, nicht ergriffen, nur Teil eines Lagers." Die Kraftwerksgegner scharten sich derweil hinter ihren Galionsfiguren Nenning, Lötsch und Konrad Lorenz, wir aber fragten: "Wo bleibt eine fundierte Lorenz-Kritik?" Man muss eben oft nur ein bisschen warten können. a.t.


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