Kommentar

Ungleiches Duell: Theater gegen Fußball

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 27/04 vom 30.06.2004

Unlängst hätte ich mir im Theater beinahe die Ohren ausgerissen. Was war geschehen? Vorvergangener Sonntag, letzter Abend der Festwochen. Während in der Halle E der dritte Teil der Proust-Dramatisierung "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" über die Bühne geht, spielen in Lissabon Spanien und Portugal um den Einzug ins Viertelfinale.

Ich hatte den für solche Situationen bewährten Notfallplan ausgearbeitet: Videorekorder programmieren, nach dem Theater unverzüglich nach Hause eilen - und zwar möglichst ohne unterwegs das Ergebnis mitzubekommen. Im Prinzip ein ganz einfacher Plan. An diesem Abend aber gibt es eine unvorhergesehene Komplikation: Als die Vorstellung zu Ende ist, betritt Festwochen-Schauspieldirektorin Marie Zimmermann die Bühne, um eine kleine Abschiedsrede zu halten, die mit folgenden Worten beginnt: "Den Fußballfans unter Ihnen kann ich sagen: Bis vor fünf Minuten ..."

Den Rest habe ich nicht mehr gehört, weil ich mir rechtzeitig die Ohren zugehalten habe. Es


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