PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Schlamperei

Stadtleben | aus FALTER 27/04 vom 30.06.2004

... Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der ihr nicht aufgenommen werdet, dann stellt euch auf die Straße und ruft: ... Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt ...

Lk 10,1-12.17-20 (Evangelium am 14. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres C)

Weil Klöster und Caritas mit großen Schöpfern gratis Suppen und trockenes Brot verteilen, während sie herrschen, haben sie in die Europäische Verfassung hineingeschrieben, dass das, was wurde, unter anderem von religiösen Strömungen inspiriert worden sei. Vom Golfstrom schweigt die Verfassung. Das ist das Erstaunliche, obwohl jedes Pferd seinen Jahreslauf voll Gebräuche begeht, kennt das britische Königreich keine Verfassung. Denn alles hat Spuren hinterlassen, und wo eine Spur ist, wird die britische Persönlichkeit aus geheimnisvoller Quelle gerührt, sie zu pflegen.

  Und daher werden die Inseln niemals einer Europäischen Verfassung zustimmen. Sie kriegen so wenig Lohn und so schlechtes Essen, dass sie sich keine Verschlechterung mehr vorstellen können und also keinen Grund erkennen werden, der Europäischen Verfassung, so einer - britisch gesehen - schlampigen Oberfläche von ein paar Dutzend Seiten zustimmen zu sollen, wo sie doch in Gerichtsurteilen und Parlamentsbeschlüssen durch die Jahrhunderte gründen, und jedes einzelne Jährchen sorgsam jedes Jahr erneut begehen. Das also wird nichts. Edmund Stoiber ist deshalb so fertig, nur ja nicht die Türkei in die Union auch noch aufzunehmen, weil er ans Herrschen denkt. Und wer herrscht, muss für jedes Detail die industrielle Sorge bereitstellen.

  Die EU aber sei eine Schlampe! Kein Überblick über die Lage. Also wird Europa errichtet, indem zwei Befürchtungen aufeinander zu rasen. Und wir können nur hoffen, dass die Briten das stoppen. Sie herrschten über ein Commonwealth, und Gott schützte die Königin auf eine komische Weise. Wenn sie die Religionen wenigstens in den Plural gesetzt hätten beim Verfassungsentwurf. Und ein paar Wörtchen der (nicht ganz unreligiösen) Erfahrung der Shoah, des Holocaust hineingeschrieben hätten. "Die Geschichte gelesen" zum Beispiel. "Wir haben die Geschichte vor Augen und weinen." Das wäre zum Beispiel eine Präambel.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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