STANDPUNKT

Der lechte Partner

Politik | aus FALTER 28/04 vom 07.07.2004

Also sprach Kanzler Wolfgang Schüssel am Sonntag in der "Pressestunde": Lechts und rinks - das passe nicht mehr. Das habe Ernst Jandl selig schon richtig erkannt. Wen kümmert's daher, dass nun der Rechtsaußen Ewald Stadler die freiheitliche Parteiakademie leitet, dass nun der Rechtsaußen Heinz-Christian Strache stellvertretender Bundesobmann ist? Den Koalitionspartner jedenfalls nicht. In Wirklichkeit geht Jandls Gedicht "Lichtung" aber so weiter: "Manche meinen / lechts und rinks / kann man nicht velwechsern. / werch ein illtum!" Das kann man so oder so verstehen, der Dichter stiftet absichtlich Verwirrung. Einerseits kann man einen Sozial- oft wirklich nicht mehr von einem Christdemokraten unterscheiden. Andererseits zeigt der Austausch der Buchstaben, dass man die alten Schablonen manchmal doch noch braucht. Insofern hat Schüssel das Gedicht richtig zitiert. Auch er versucht, Verwirrung zu stiften, damit sich keiner mehr auskennt, mit was für Leuten er da koaliert. Und auch in einem anderen Zusammenhang liegt der ÖVP-Chef richtig. Die Rechten, die Deutschnationalen, die Ewiggestrigen streben in der FPÖ nach der Macht - das klingt allerdings absurd, war es doch nie wirklich anders. Dort ging es meistens nur um die Frage: weit lechts oder lechtsextlem? Auch als Schüssel zum ersten und als er zum zweiten Mal Schwarz-Blau bildete. E. W.


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