Kommentar

Wien bitte nicht vollständig zujazzen!

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 28/04 vom 07.07.2004

Wenn ich demnächst nach England reise, dann nicht, um den dortigen Kickern Trost zu spenden (obwohl, auch den können sie von mir gerne haben, hat sich die Truppe - sieht man von der Speerspitze der Metrosexualität ab - doch sehr gut geschlagen), sondern um mich zu erholen: von der Fußball-EM, von der Arbeit und davon, ständig irgendetwas zu verpassen. Ob ich die Giorgione-Ausstellung vor dem Abflug noch unterbringe, weiß ich nicht, ganz sicher aber werde ich zum Beispiel den Auftritt des neuen Jazzwunderwuzzis Jamie Cullum am Rathausplatz durch schieres Nicht-da-Sein versäumen.

Obwohl ich dieser weitgehend historisch gewordenen, von prämortalen Kontraktionen immer wieder charmant durchzuckten "wichtigsten Musikform des 20. Jahrhunderts" (Kulturstadtrat Mailath-Pokorny im Jazzfest-Wien-Programm) ja größeres Wohlwollen entgegenbringe als fast alle meiner Redaktionskolleginnen und -kollegen, stehe ich der flächendeckenden Verjazzung Wiens skeptisch gegenüber. Insbesondere, wenn


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