STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY, MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 28/04 vom 07.07.2004

Die dänische Tragikomödie "Okay" beginnt am Arbeitsamt und endet im Leichenschauhaus. Dazwischen streift die Erzählung Universitäten, Zahnarztpraxen, Krankenhäuser, nur um zu zeigen, wie hilflos solche Institutionen individuellen Konflikten gegenüberstehen. Das Gleiche gilt im Privaten: Auch die Ehe der Sozialarbeiterin Nete (Paprika Steen) und des Literaturprofessors Kristian (Troels Lyby) ist zur Institution erstarrt. Lebenslust ist im Zusammenleben mit der Teenager-Tochter einem Alltagsmanagement gewichen, dessen Logistik durcheinander gerät, als Netes schwerkranker Vater einzieht und den innerfamiliären Kodex ignoriert: "Ich esse, rauche, scheiße, wenn's mir passt." Jesper W. Nielsens "Okay" ist eine durchaus sympathische Ensemblekomödie, in der es gelegentlich etwas zu menschelnd zugeht: Jeder kann von jedem lernen. Mitgefühl, Großzügigkeit, Toleranz. Das kennt man aus Vorabendserien, und aus diesen scheint auch der Soundtrack entlehnt. Schade eigentlich, aber vielleicht gelten solche Tendenzen ja in der Heimat von Dogma schon wieder als konterrevolutionär?

  Anderswo finden Revolutionen im Stillen statt. Seit der Niederschlagung der Studentenrevolte vor 15 Jahren hat eine neue Generation Filmschaffender das Kino der Volksrepublik China langsam umzudrehen begonnen. Dass man davon - ausgenommen die Viennale und eine Handvoll Arthouse-Starts - hierzulande nichts merkt, ist schade, aber korrigierbar. "China now", eine Reihe im Rahmen des Filmcasino-Sommerkinos, zeigt einen Überblick über das chinesische Filmschaffen der letzten Jahre, überwiegend Filme der so genannten "sechsten Generation" des chinesischen Kinos, die zeitgenössische Befindlichkeiten eines Landes reflektieren, das sich dem westlichen Medienkonsumenten weitaus homogener präsentiert als das gerechtfertigt wäre. Eröffnet wird am 9. Juli mit "Lu cha/Green Tea", einem Liebesfilm von Zjang Yuan ("East Palace, West Palace"), einem der größten Talente des realistischen Spielfilms in Asien.


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