KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 28/04 vom 07.07.2004

The mask has been danced" nennt sich ein Foto der Wiener Künstlerin Lisl Ponger, das Faschingslarven mit rassistischen Neger- und Indianergesichtern zeigt. Dieser englische Ausdruck stammt aus der Ethnologie und bescheinigt einem Objekt Echtheit: Die Maske muss gebraucht worden sein und Spuren der Benützung aufweisen. Mit ihren derzeit in der Charim Galerie ausgestellten Fotoarbeiten (bis 17.7.) geht Ponger humorvoll solchen Konstruktionen von Authentizität nach, wie sie nicht nur in der Völkerkunde, sondern auch in der Kunst zu finden sind. So handelt es sich bei dem Maskenfoto zum Beispiel um die Paraphrase eines Gemäldes, das der an "Primitivismus" interessierte deutsche Künstler Emil Nolde 1911 auf die Leinwand gebracht hat. Für andere Fotos der Ausstellung wandelte Ponger in Afrika auf den Spuren von Michel Leiris' Expedition von Dakar nach Djibouti (1931-1933); ohne den Kontext der Schau könnten etliche der Aufnahmen auch als Urlaubsfotos durchgehen. Ganz in Pongers Sinn:


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