STADTRAND

Die Abräumer

Stadtleben | aus FALTER 28/04 vom 07.07.2004

Kellner machen gerne mal Druck. Vor allem, wenn es darum geht, den persönlichen "work-flow" zu erhöhen, den Umsatz zu steigern. Viele Kellner würden am liebsten dem Gast unmittelbar nach dem letzten Bissen den Teller unterm Mund wegziehen. Kaum ist der letzte Schluck getrunken, räumen sie das Glas ab. Und das Kaffeehaus, in dem man, ohne dass wer meckert, stundenlang Wasser nachbestellen kann, soll mir erst mal jemand zeigen. Vielleicht ist es nicht jedermanns Sache, aber ich mag es halt, nach einem Essen oder einer Kaffeejause gemütlich vor leeren Tellern oder Tassen zu sitzen. Und ich hasse es, auf eine leere Tischdecke starren zu müssen, als wäre man gerade erst angekommen. Womöglich lauern dann auch noch Nachfolger, die den heiß begehrten Platz im Schanigarten übernehmen wollen. Womöglich glauben die Abräumer, ihre Gäste moralisch unter Druck setzen zu können, so dass sie noch etwas bestellen, weil sie den leeren Tisch nicht aushalten. Doch davon lasse ich mich überhaupt nicht beeindrucken. Das sitze ich aus. Und zwar so lange es mir Spaß macht. Wie das geht? Nie ganz austrinken. Ein Lackerl im Glas lassen und bei drängenden Fragen des Personals - "Haben Sie noch einen Wunsch?" - ehrlich antworten: "Bitte noch ein Glas Leitungswasser, danke." C. W.


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