Fragen Sie Frau Andrea

Drücksorten

Stadtleben | aus FALTER 28/04 vom 07.07.2004

Liebe Frau Andrea!

Sie kennen sicher die kleinen Kästchen, die an den Ampelmasten mancher Wiener Fußgänger- und Radübergänge angebracht sind. Perfide kleine Hinweisschilder verlocken Wartende zum Antappen der berührungssensitiven Metalldrücker. Wenn ich bei Rot zu solch einer Ampel komme und um Grün andrücke, passiert immer das Gleiche: nämlich gar nichts. Völlig egal, ob ich einmal drücke, zweimal oder dauerklingle. Sind diese Dinger Attrappen, oder mache ich irgendetwas falsch?

Mit verzweifelten Grüßen,

Manfred, Internet

Lieber Manfred,

Stadtpessimisten neigen zur Theorie, die Administratoren des Wiener Verkehrs hätten aus psychologischen Gründen Placebokästchen aufgestellt, um den großen Verkehrsfluss-Masterplan nicht durcheinander zu bringen. Nach dieser Theorie hätte das Drücken für Grün ähnliche Hintergründe wie das Essen an Bord von Flugzeugen: Passanten und Passagiere nämlich vom allzu frequenten Herumgehen abzuhalten. Tatsächlich funktionieren die Ampeldrücker. Sie kumulieren die Grünanfragen von Fussgängern und Radlern und werfen sie in eine statistisch Waagschale gegen den Verkehrsfluss der Autos. Bei viel befahrenen Straßen kann das zum Godot'schen Unterfangen werden. Sie können die Ampeln aber mit einem simplen Trick überlisten: Drücken Sie in regelmäßigen Abständen, deren Intervall etwa so lange sein muss, dass einem Druckimpuls immer ein Piepsen folgt. Ich garantiere Ihnen raschestes Grün auch gegen stärkste Verkehrsströme!

Fragen bitte an: dusl@falter.at


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