Viren im Kopf

Politik | OLIVER HOCHADEL | aus FALTER 29/04 vom 14.07.2004

POLITISCHES BUCH Hat die Bioterrorhysterie die Anthrax-Anschläge in den USA erst möglich gemacht? Der Schweizer Historiker Philipp Sarasin hält die Angst vor dem Bioterror jedenfalls für ein gefährliches Konstrukt. 

Als die beiden Linienflugzeuge in die Türme des World Trade Centers rasen, kam es zu höchst eigenartigen Reaktionen. Die US-Armee beauftragte eine Einheit der Nationalgarde, die Luft in Manhattan auf tödliche Erreger zu testen. Das Weiße Haus pumpte sich seit den frühen Morgenstunden des 11. Septembers mit Cipro voll, dem damals stärksten Anthrax-Antibiotikum.

  Seltsam: Die Bush-Administration wurde von den Geheimdiensten zwar nicht über die Gefahr der Todesflüge gewarnt, sie hat aber Bioterror befürchtet. Nicht nur die Regierenden waren von der Vorstellung eines Bioterrorangriffs eingenommen. Vor allem in New York brach eine regelrechte Anthrax-Hysterie aus: Die Apotheker kamen mit dem Ordern von Cipro nicht mehr nach.

  Und dann tauchte das weiße Pulver


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