FERNSEHEN

JULIA ORTNER | Medien | aus FALTER 29/04 vom 14.07.2004

Ein urösterreichisches Format will "Expedition Österreich" sein. Deswegen werden die Kandidaten drei Monate lang quer durch die schöne Natur des schönen Heimatlands gehetzt, am Schluss warten 100.000 Euro auf den Patrioten mit der besten Kondition. Sie kraxeln über Felswände, radeln über Berge, schwimmen im Wildwasser und geben sich dabei so richtig einheimisch. Moderator Christian Clerici, einst als fescher Vorzeigeschwiegersohn im deutschen Unterhaltungs-TV tätig, bemüht sich ums Österreichertum. Das haben ihm die deutschen Privatsender aber ordentlich ausgetrieben, ein Sepp Forcher für Junge wird er sicher nicht mehr. Skurril ist auch, wie die putzige MTV-Tante Mirjam Weichselbraun versucht, ihr feines Norddeutsch mit Musikantenstadlsprech zu tarnen: ihre Beteuerungen, sie sei eine echte Tirolerin, glaubt ihr sowieso keiner. Nicht mal die kleinen Mädchen im - nona - Dirndl, die in der Auftaktsendung mit Tante Mirjam tirolern durften. Bei so viel stolz gelebtem Patriotismus bleibt die eigentliche große Leistung der Sendung im Hintergrund: Wie schaffen es die vielen Kamerateams bloß, sich bei den wilden Actionszenen in der Natur nicht gegenseitig ins Bild zu kommen?


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