KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 29/04 vom 14.07.2004

Unter dem Label hobbypopMUSEUM fanden sich 1998 Absolventen der Düsseldorfer Kunstakademie zusammen, um gemeinsame Ausstellungsprojekte zu realisieren. Für ihr erstes Projekt holte die damals achtköpfige Gruppe Kunst aus dem eigenen Lager und präsentierte sie gleich vor Ort, der alten Post am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Der Modus der Selbstorganisation und -vermarktung hat mittlerweile auch im offiziellen Kunstbetrieb Früchte getragen. In die Engholm Engelhorn Galerie wurde die Künstlergruppe nun von Andreas Gursky geladen, dessen Arbeiten zu den teuersten Gegenwartsfotografien gehören. Für die Schau "Die graue Kammer" (bis 7.8.) haben hobbypopMUSEUM die Galerie in eine schräge Art von Salon verwandelt. Einer schönen Idee folgend, wurden die Wände mit Vorhängen aus bemalter Leinwand verhüllt. Die großen Gemälde im Stil des Gruppenmitglieds Sophie von Hellermann sind durch die Raffung nur teilweise sichtbar. Grau-pastellige Bilder mit figurativen Elementen hängen auch an der Decke. Von den theatralischen Raumverkleidungen geht ein Flüstern aus: Es handelt sich um Textstellen aus Musils "Mann ohne Eigenschaften", die als Soundkulisse die intime Stimmung der Installation noch verstärken. Der Musil-Bezug leitet sich aus einer Arbeit von Gursky her, der aus Textstellen des Romans eigene Seiten generiert hat und diese, riesig vergrößert, als Foto zeigt. Schleierhaft bleibt in der Schau die Rolle der monumentalen Gursky-Fotografie eines neuen Dior-Shops: Soll das Motiv einfach formal dazupassen, oder wurde es gar integriert, um das einstmals kunstmarktkritische Pathos der kollektiven Autorenschaft zu brechen?


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