Fragen Sie Frau Andrea

Wasserwann

Stadtleben | aus FALTER 29/04 vom 14.07.2004

Liebe Frau Andrea,

in "Falter" 28 empfiehlt Fabian Schmidt, der deutsche Champion im Kaffeekochen, das berühmte Glas Wasser vor dem Kaffee zu trinken. Zitat: "Wenn man das Wasser nach dem Kaffee trinkt, geht doch der ganze gute Geschmack im Mund verloren!" Meiner Erinnerung nach trinkt man das Wasser nach dem Kaffee, um sich den guten Geschmack länger zu erhalten. Bitte auch um Auskunft, wie es zur WWKT (Wiener-Wasser-Kaffee-Tradition) gekommen ist.

Markus Knopp, Gumpendorf

Lieber Markus,

wie so viele Wienmythen hat auch das berühmte "Glasl Leitungswasser" ein Eigenleben angenommen und sich von den sicheren Pfaden der historischen Tatsächlichkeit entfernt. In jedem Fremdenführer lesen Wientouristen allerlei Gescheites, meist aber Falsches über die Wiener Kaffeehaustradition. Hartnäckig wird die Erfindung des Wiener Kaffees einem gewissen Georg Franz Kolschitzky zugeschrieben, der die ersten Wiener Bohnen 1683 im verwaisten türkischen Heerlager gefunden haben will, als der armenische Kaffeesieder Deodato schon lange Jahre eine Monopolkonzession in der Wirtshaustasche hatte. Das Glas Wasser (das es im Übrigen auch in Griechenland zum Kaffee gibt) kann natürlich zur Geschmacksneutralisierung bzw. Entsäuerung von Magen und Speiseröhre verwendet werden. Seit Deodatos Zeiten, zu denen Kaffee in Wien noch à la turque getrunken wurde, diente es allerdings mehr dazu, den Kaffeesud aus den Zähnen zu spülen.

"Fragen Sie Frau Andrea" gibt es

auch als Falter-Buch! dusl@falter.at


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