PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Zwei und drei

Stadtleben | aus FALTER 29/04 vom 14.07.2004

... Abraham ... blickte auf und sah vor sich drei Männer stehen ... [er] warf sich auf die Erde nieder und sagte: Mein Herr, wenn ich dein Wohlwollen gefunden habe, geh doch an deinem Knecht nicht vorbei! ... Sie fragten ihn: Wo ist deine Frau Sara? Dort im Zelt, sagte er. Da sprach der Herr: In einem Jahr komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben ...

Gen 18,1-10a

(1. Lesung am 16. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres C)

Wir wohnten fünf Häuser voneinander entfernt in Unternalb in unserer Kindheit, die Liesi und ich, Pepi, beide so ungefähr sieben, und wir verbrachten den Nachmittag miteinander. Die Liesi hatte sich bei einem Finger geschnitten und ihre Mutter, die die Hebamme war, sagte ihr beim Pflasteranlegen, Frauen können niemals verbluten. Sie schnitt damit ein zu gewaltiges Thema an, als dass ich an Ort und Stelle mit dem Enträtseln beginnen hätte können. Ich hob es mir unerörtert als Vorrat auf, und hatte viel Angst ab da, verbluten zu können. Erst Jahrzehnte danach durchschaute ich in einem meiner Schläfe, dass die Hebamme Schnabel damit ihrer Tochter ganz langsam Angstfreiheit eröffnen wollte, es werden Blutungen kommen. Und obwohl ich dann irgendwann von weiblichen Blutungen ebenfalls erfuhr, hatte ich den Sinn nicht verknotet. Sie zogen dann fort und wir haben uns nicht mehr gesehen.

  Mir wird immer mehr bewusst, wie langsam ich empfange. Dass eigentlich alles mir verschlossen bleibt und sich unendlich spät erschließt. Und zwar im Schlaf beim Wiederkäuen. Ich habe den besseren Teil gewählt wie Maria, nie gearbeitet wie Martha, immer nur geschlafen. Verbrachte ab der ersten Minute alles am Bauernhof: Weinbau, Rüben, Erdäpfel, alle nur denkbaren Tiere, Kellerei, Heu und Stroh, Getreide mit eigener sintflutlicher Mähmaschine, und nichts ergriffen. Saß immer abseits und habe mich durchzusonnen versucht. Wüsste keinen eigenen landwirtschaftlichen Trick. Und habe mich auch nie angestrengt. Und auch nie durchschaut, worum es ging.

  Gibt es was, oder gibt es nichts? Und was könnte es geben? Ich weiß es nicht, aber ich frage mich, weil niemand sich fragt. Und das ist mir zu verdächtig.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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