Der zensurierte Deix

Politik | aus FALTER 30/04 vom 21.07.2004

MEDIENFREIHEIT Das Nachrichtenmagazin "profil" weigerte sich, einen kirchenkritischen Cartoon von Manfred Deix zu drucken. Der gibt jetzt die Zeichnung dem "Falter" und verspricht: "Ich werde in mich gehen."

Vergangene Woche schlug Manfred Deix den Falter auf und studierte wie immer zuerst den "Dolm der Woche". Am Ende der Glosse, die diesmal die Verdienste des Papstes würdigte, stand: "Jetzt will der Papst in St. Pölten durchgreifen. Zu spät. Manfred Deix hat die Priester-Bilder im profil schon gesehen." So war es auch. Deix spitzte den Bleistift und zeichnete für profil das muntere Treiben in Österreichs Priesterseminaren.

  Doch wer diese Woche Österreichs führendes Nachrichtenmagazin aufschlug, sah eine ganz andere Zeichnung. Was war geschehen? Wurde Deix von profil zensuriert?

  profil-Herausgeber Christian Rainer sagt: "Der Cartoon ist in einigen Darstellungen derart überzogen, dass sich die gesamte Kritik weg von Krenn und Priesterseminar hin zum profil gerichtet hätte - und das zu Recht. Manfred Deix, der diesmal übrigens sehr spät, kurz vor Redaktionsschluss, geliefert hat, bringt immer wieder Zeichnungen, wo man sich in die Wange beißt und sagt: ,Okay, das bringen wir noch.' Diesmal war es uns aber zu viel."

  Manfred Deix verspricht jetzt Reue und sagt: profil-Chef Christian Rainer hat diesen Cartoon abgelehnt, weil er ihn für dermaßen überzogen' hält. Ich nicht. Ganz im Gegenteil: Verglichen mit den fidelen Festen und den nachgewiesenen Internetaktivitäten, die im St. Pöltner Priesterseminar stattgefunden haben, ist diese Zeichnung eine charmante Untertreibung, scharf an der Grenze zur augenzwinkernden Verharmlosung. Sehr bedenklich mein Ausrutscher, ich weiß, aber es wird nicht mehr vorkommen - ich werde in mich gehen."


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