Filmschau

Unheimlich im Kino

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 30/04 vom 21.07.2004

Dass Mike Kelley seinen an Freuds gleichnamigen Aufsatz angelehnten Begriff des "Unheimlichen" eher weit fasst, ist seiner Ausstellung im Mumok bald anzumerken: So ziemlich alles, was die vertraute Körperlichkeit verfremdet, findet hier Platz: neben den Kunstwerken der 1993 für die Londoner Tate Gallery konzipierten Schau auch Exponate aus der Sammlung des Mumok oder anatomische Modelle und Wachsfiguren aus dem Wiener Narrenturm oder dem ehemaligen Wurstelprater. Das Unheimliche, schien der gemeinsame Nenner zu lauten, ist das Fremdartige im Vertrauten, oder, andersherum, das vertraute Detail im fremdartigen, unbelebten, oft abstoßenden Objekt.

  Diesem losen Ansatz folgt auch die Filmschau "Das Unheimliche", die bereits letzte Woche im Filmcasino startete; als Teil des Sommerkinoprogramms sind dort bis 12. August insgesamt 22 "unheimliche" Filme zu sehen: So laufen etwa William Castles bizarrer Fifties-Schocker "The Tingler", in dem sich die Angst als Killerparasit im menschlichen Körper einnistet, oder Dario Argentos farbintensiv-synthetischer Slasherfilm "Suspiria". Unter dem Label "Doppelgänger" haben "Meshes of the Afternoon" von Alexander Hammid und Maya Deren sowie David Cronenbergs "Dead Ringers" (logischerweise in einem Double-Feature) Platz gefunden. Und als "Comedic Splatter" werden Stuart Gordons H.P.-Lovecraft-Verfilmung "Re-Animator" und Sam Raimis Trashorgie "Evil Dead II" aufgeführt.

  Viele der Filme aus Kelleys Schau sind ansonsten Videotheken vorbehalten, B-Movies größtenteils, deren Projektion wieder einmal schmerzhaft bewusst macht, dass es in Wien keinen Ort mehr gibt, der einem solchen Nischenprogramm huldigt. Von daher sei es Kelley verziehen, dass seine Filmauswahl (ähnlich der Ausstellung) ein wenig wie ein Gemischtwarenladen daherkommt. Denn letztlich geht es ja eben genau darum: den Reiz des Undefinierbaren.

Information: www.filmcasino.at


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