Besuch der jungen Dame

TOBIAS HEYL | Kultur | aus FALTER 30/04 vom 21.07.2004

LITERATUR Martin Walser assoziiert in seinem Roman "Der Augenblick der Liebe" zu Theorien und Praktiken von Liebe und Sex im 21. Jahrhundert. 

Die Geschichte spielt am Bodensee, ihr Personal, in den besten Jahren, wie man so schön sagt, hat seine wichtigsten Erfahrungen hinter sich mit der Liebe, dem Sex und dem Alkohol, verfügt über Geld, Haus und Segelboot. So ist das eben bei Martin Walser, warum nicht auch in seinem neuen Roman "Der Augenblick der Liebe"? Eigenartig, dass man ihn liest (oder lesen kann), als hätte es all die politischen und moralischen Vorwürfe, auch den spektakulären Wechsel von Suhrkamp zu Rowohlt überhaupt nicht gegeben: An der kleinen Walser-Welt, wie sie im Laufe von bald fünfzig Jahren im Südwesten Deutschlands entstanden ist, ziehen solche Stürme vorbei und machen sich bestenfalls in einem Nebensatz bemerkbar.

Also wieder ein nicht ganz junges Ehepaar, sie makelt erfolgreich Immobilien, er kümmert sich mehr ums Büro. Eines Tages bekommen sie Besuch

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