"Mozart der Literatur"

Kultur | aus FALTER 30/04 vom 21.07.2004

UMFRAGE Warum ist Anton Tschechow auch hundert Jahre nach seinem Tod noch so lebendig? Antworten von Theaterleuten und Schriftstellern.

Warum ist Tschechow so toll? Warum interessieren wir uns heute noch brennend für all die Losertypen, die vor mehr als hundert Jahren auf irgendwelchen Datschas Tee tranken? Was macht das "Wunder Tschechow" aus? Der Falter fragte bei fünf kompetenten Damen und Herren nach.

Luc Bondy

Tschechow ist der erste Dramatiker, der Erzählkunst mit Drama verwoben hat. Es muss jeden Regisseur reizen, dass hinter jedem Stück eine Art musikalische Struktur existiert, der man kaum ausweichen kann. Er konnte aus wenig eine Form bilden, mit wenig Zügen einen Menschen zeichnen, ohne aus ihm eine Karikatur zu machen. Tschechow war ein Pessimist, der mit dieser Eigenschaft nie kokettiert hat, wie das heute viele so "lukrativ" betreiben. Dazu war er zu bescheiden. In seinen Stücken und seinen Erzählungen ("Duell" liebe ich am meisten) ist er ein Beispiel für so viele menschliche


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