STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY / MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 30/04 vom 21.07.2004

Wagen wir es, und empfehlen wir einen Freiluftfilm: Denn, wer weiß, vielleicht verhält sich die Jahreszeit längerfristig nach Gebühr, und ein Draußensitzen wird auch ohne Anorak möglich. Wobei "Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling" ("Bom, yeoreum, gaeul, gyeowool, geurigo, bom"), die traumhaft schöne Meditation des Koreaners Kim Ki-Duk, die das Kino unter Sternen als Preview zeigt, wäre fraglos auch ein anderthalbstündiges Einmummeln wert. Wie schon Kims zum Kulttipp avanciertes Drama "The Isle" (2000), das unerwartet derbe Gewaltausbrüche vor der idyllischen Kulisse eines Anglerressorts inszenierte, spielt auch dieser Jahreszeitenzyklus auf einem See. Doch diesmal ist die Wasserfläche kein bewegtes Leichentuch, sondern ein glatter Spiegel, der die Bewohner einer Tempelinsel zur Selbsterkenntnis anleitet. Die Gewalt hält sich in Grenzen, stattdessen legt Ki-Duk, wenn er die weitgehend wortlose Kommunikation zwischen einem Mönch und seinem Schüler beobachtet, einen feinen Sinn für Humor an den Tag.

  Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Dachte sich manch einer, als 2001/02 "Der Schuh des Manitu", eine Westernverblödelung im süddeutschen Idiom, hierzulande zum erfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten wurde. Dass Regisseur/Autor/Darsteller Michael "Bully" Herbig und Konsorten diesen Erfolg fortsetzen würden, stand natürlich zu befürchten; dass sie allerdings über Sujet und Genre ihres jüngsten Lustspiels "(T)Raumschiff Surprise: Periode 1" (eine, no na, "Enterprise"-Parodie) vom Publikum ihrer TV-Comedyshow abstimmen ließen, ist ungewöhnlich und wohl als ein deutliches Votum für den zeitgenössischen Medienpopulismus zu verstehen. Da bis Redaktionsschluss keine Pressevorführung stattfand, wird man erst in den Kinos beurteilen können, ob's diesmal auch wieder so "lustig" geworden ist.


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