PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Die Welt besser als ich!

Stadtleben | aus FALTER 30/04 vom 21.07.2004

... Wenn schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt ...

Lk 11,1-13 (Evangelium am 17. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres C)

Und das war Jesus laut Paulus, der so stolz war und sich nicht erbarmen ließ - abzulassen, zu leiden (Kol 2,12-14). Zu bitten, eingegliedert zu werden in die Nolens-Volens-Welt. Bzw. eine Klarstellung herbeizuführen, die also in seinen Augen eine Unklarstellung gewesen wäre, mit der Welt zu kollaborieren und also nicht hingerichtet zu werden. Sich zur Sünde machte für seine Richter und Nagler, für einen Sündenlosen eine schwere Schuld.1 Oder sich halt in drei Teufels Namen zu verstecken bzw. zu fliehen. So eindeutig unschuldig, wollte er Gott zeigen, welch Scheiße Welt er geschaffen hatte, wo der Sanftmütigste und Gerechtigkeitswahnsinnigste ans Kreuz gehängt wird. Ja, später wurde er in die Dreifaltigkeit aufgenommen. Und dann kommt noch dazu, dass Freud ja erst viel später kam und erklärte, wie böse die Bösen sind respektive es wurden. Und also das Leben viel weiter geht!

  Ich verlasse das Haus nicht mehr. Zehn Schläfchen am Tag, und dazwischen ein Essen, denn wenn kein Schlaf mehr geht, ein Zuckerkoma hilft immer einzutunken. Und wenn ich dann eine Woche die Gedanken eines Einsamen dachte, also paranoid, alles und alle böse mir dachte, ein Sodom mir baute, komme ich in die Sonne, und da gehen alle Bösen durchsonnter als ich und behandeln mich achtungsvoll, höflich und lieb, wie wenn ich wer wär. Grüß Gott Herr Phettberg, und nicken mir zu. Die Welt ist viel besser als ich.

1 Legen wir dieses Muster hier am Fall des Knaben- bzw. Zöglingsschänders, des Kardinal Hans Hermann Groër an: Er wurde überführt, seine Zöglinge geschändet zu haben, was für die Kirche eine schwere Niederlage war. Sie reagierte sündhaft, indem sie ihren schweren Sünder Groër diskriminierte. Groër wurde also für die Kirche, wie Christus für seine Richter und Nagler, zur Sünde. Wieso wurde an ihm nicht Seelsorge getrieben? Er zur Freiheit geführt, dass er den Mut fände, seine Sünde zu bekennen und somit zum Erlöser für das Homosexuellsein hätte werden können in dem verstockten, katholischen Bereich? Der zur Sünde gewordene, die Kirche zur Schwulendiskriminierung an ihm verführt habende Sünder, zur Freiheit durchdringen hätte können, seine Sünde bekennend und damit die vielen kirchlich anhängenden Lesben und Schwule befreiend, dass es zwar eine Sünde ist, Zöglinge und Kinder zu schänden, es aber keine Sünde ist, lesbisch, schwul, trans und queer zu sein!

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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