Enttäuschte Hoffnung

Stadtleben | TEX RUBINOWITZ | aus FALTER 30/04 vom 21.07.2004

SOMMERSERIE Es ist einer der charmant-ereignislosesten Orte der Stadt: Das Wirtshaus "Zur letzten Instanz" besteht jeden internationalen Tristesse-Vergleich. 

  Trübsinn und Tristesse sind ja keine schlechten Eltern. Im Gegenteil, sind das nicht gerade in Zeiten des Rumkreischens und der Rundumkomplettverblödung Rückzugsgebiete der Erbauung und Kontemplation? Als ich Kind war, war der Atlas für mich Lieblingslektüre, auf der ewigen Suche nach Namen, die so klingen, dass ich mir einen möglichst einsamen und ereignislosen Ort vorstellen konnte. Während sich andere, ähnlich tickende Gleichaltrige über Orte namens Hühnergeschrei und Maria Elend vor Lachen einnässten, waren mir diese Namen immer zu billig. Logisch, dass die Hühnergeschreigutfinder Werber wurden oder FM4-Redakteure. Den absolut zauberhaftesten Klang hatte für mich die nordchilenische Stadt Antofagasta, sensationeller Name, der etwas Peinigendes wie ein fieses Darmgebrechen evoziert. Vor einem Jahr war ich dann


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