FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 31/04 vom 28.07.2004

Man stelle sich vor, nicht einmal Sex hilft mehr, damit die letzten Verwirrten bei der derzeit laufenden "Big Brother"-Staffel an der Stange bleiben. Keine Stripperin, kein Pseudolesbengetue, kein Rummachen unter der Decke, nicht einmal eine waschechte Transe brachte noch eine gescheite Quote. Sex scheint ziemlich over zu sein. Also dachten sich die Programmmacher in ihrer Verzweiflung, lassen wir einer Container-Maus kosmetisch den Busen vergrößern, live versteht sich. Blöd, dass jetzt die deutsche Medienbehörde eingeschritten ist und derartige voyeuristische Schönheits-OPs vor 23 Uhr verboten hat. Und noch lustiger, dass damit auch eines der degoutantesten und dämlichsten Reality-Formate überhaupt wackelt. Mit "The Swan" wollte Pro7 die letzten Grenzen der Menschenwürde und des guten Geschmacks locker hinter sich lassen, "unattraktive" Frauen zeigen, die mithilfe diverser Schönheitseingriffe zu "schönen Schwänen" werden, und die Kamera ist bei dem öffentlichen Martyrium live dabei, über Monate. Jetzt sieht es so aus, als würde das Format gekippt - es war im für Werber interessanten Hauptabend programmiert, nach 23 Uhr würde es sich nicht mehr rechnen. Manchmal ist ein moralischer Triumph schon was Schönes.


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