KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 31/04 vom 28.07.2004

Eine Zeit lang geisterte in den Texten über die Rotterdamer Künstlercrew Atelier van Lieshout (AVL) die Behauptung herum, die mit Joep van Lieshout schaffende Gruppe würde als Kommune leben. Diese Legende war nahe liegend: Die von AVL gebauten Wohnwägen, Möbel und Skulpturen verknüpfen buntes Do-it-yourself-Design mit Entwürfen des Zusammenlebens und der Autarkie. Dabei handelte es sich bisher nicht um kritische Kunst, sondern um einen recht machoiden Traum vom guten Leben - Freibier, Gruppensex und Waffenspiele inklusive. In der Galerie Krinzinger zeigt AVL nun unter dem Titel "Zwang" (bis 7.8.) riesige, bunte Verdauungsorgane aus Fiberglas, die an Lehrmittel für Mediziner erinnern. Die dazu präsentierten Zeichnungen zeigen eine Art Lagerarchitektur, in der Menschenmaterial monotone Arbeit leistet. Auch ein VW-Käfer mit Hakenkreuz als Logo verweist auf die Beziehung von Design und Ideologie. Den Menschen als Automat und Produktionseinheit führen AVL mit gruseligen Fütterungs- und Ausscheidungsmaschinen vor. Soll an diesen Arbeiten doch ein Kommentar zu inhumanen Verwertungslogiken abgelesen werden? Oder handelt es sich nur um Koketterie mit solchen Fragen?

  "Politik oder Porno" nennt der Schweizer Erik Steinbrecher seine minimalistische Ausstellung im Kunsthalle project space (bis 1.8.). Dort sind verschiedene längliche weiße Objekte an der Wand montiert, die teilweise auf Stützen hängen und Namen wie "Anaconda", "Larry" oder "Afghan" tragen. Eher Porno, möchte man die Frage im Titel der Schau beantworten, aber es könnte sich bei den phallusartigen Dingern auch um Knüppel handeln. Eine eigenartige Schau.


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