Profane Radieschen

Stadtleben | TEX RUBINOWITZ | aus FALTER 31/04 vom 28.07.2004

SOMMERSERIE Schneeball- oder Eierschlacht? Die "Neidhart-Fresken" sind wie ein Bully-Film aus dem 13. Jahrhundert. 

Die französische Künstlerin Sophie Calle hat einmal ihre Mutter gebeten, einen Detektiv zu beauftragen, sie für die Dauer einer Woche zu observieren. Ich vermute, Calles Intention war, den Alltag nicht mehr so schludrig runterzuleiern, sich ein bisschen Mühe zu geben, sich auch Kleinigkeiten, wie die des regelmäßigen Ganges zum Klopapierhändler, immer bewusst zu sein. Des Detektivs Kassiber sollte sie wohl an all das erinnern. Aber ich kann mich irren, im Fach Kunstexegese stochere ich bisweilen wie ein Storch im Nebel. Vielleicht ist sie ja auch nur eitel und braucht den Voyeur wie andere den Bissen Brot mit Kirschmarmelade. Oder noch profaner: Sie ist nur von den regelmäßigen Anrufen ihrer Mutter, mit den Fragen, was sie denn den lieben langen Tag so mache, genervt, und sie hat ihr den Vorschlag mit dem Schnüffler gemacht.

  Wenn mich ein Detektiv überwachen


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