Kommentar

Die alte Welt des Hermann Nitsch


MATTHIAS DUSINI
Kultur | aus FALTER 32/04 vom 04.08.2004

Der Skandal um Nitsch und sein performatives Kunstprojekt Orgien-Mysterien-Theater ist heuer ausgeblieben. Das ist gut so, denn warum soll ein Künstler auf seine alten Tage nicht in Ruhe arbeiten dürfen. Und auch die Kunstliebhaber sollen sich nicht an Demonstranten vorbeischleichen müssen, die den Fleischverzehr abschaffen wollen oder gegen entartete Kunst eifern. Gibt es eine Kritik, die darüber hinausgeht?

Im Wiener Aktionismus, dem Nitsch angehört, ging es nicht nur um einen "Beitrag zur Kunstgeschichte", wie es heute wohlmeinend heißt, sondern um etwas Allgemeineres. Die implizite politische Agenda des Wiener Aktionismus betraf nicht nur den selbstimmunisierenden Autonomieanspruch der Kunst in der Hochphase des Kalten Krieges; es galt vielmehr, die Glaubwürdigkeit der westlichen visuellen Kultur insgesamt zu hinterfragen: die Abstraktheit massenmedialer Bilder, die sich vom dargestellten Grauen ebenso weit entfernt hatten wie die Piloten vom Abwurfziel der Atombombe.

Die Bildfindungen

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