STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 32/04 vom 04.08.2004

Der Junge telefoniert, balanciert auf einer Steinmauer. Das Mädchen mit der hellblauen Trainingsjacke trinkt Bier aus der Flasche, schmilzt ein Stück Schokolade mit dem Feuerzeug an, bevor es daran lutscht, und geht mit übergroßen Kopfhörern durch die Wiener Nacht. Barbara Graschners sechsminütige Paar-Skizze "Nichts über Tim und Pola" erzählt, wie der Titel schon sagt, nichts oder zumindest wenig Definitives über seine Hauptfiguren und darüber, wie sie zueinander stehen. Nur dass der Junge sich leicht abwendet, als das Mädchen ihn berühren will, deutet an, dass die guten Zeiten für die beiden wohl vorbei sind. Geblieben ist die gemeinsame Art, Stilbewusstsein zu zelebrieren, die Art, wie man wohnt, wie man geht, steht und sich kleidet. Das Schöne an Graschners Film ist, dass er eben nicht, wie üblich, die gelungene Selbstinszenierung seiner jungen Hauptfiguren als Ausdruck eines positiven Lebensgefühls mitfeiert. Stattdessen machen die kleinen Gesten der Coolness hier nur die Leere und Verzweiflung sichtbar, die sich hinter ihnen verbirgt. Forciertes Lebensgefühl ersetzt verlorenes Liebesgefühl. Sieht schön aus, ist aber traurig.

  "Nichts über Tim und Pola" ist Höhepunkt eines weiteren unter dem Motto "Votiv21" kompilierten Abends mit neuen Arbeiten aus der Wiener Filmakademie (am 4.8., 22 Uhr, im Votiv Kino). Entdecken lässt sich auch die humorvolle Kurzdokumentation "California" (Regie: Sigmund Steiner, Buch: Barbara Graschner), die die Einwohner von Schwarzeneggers steirischem Heimatort nach ihrem Kalifornienbezug fragt. Unterhaltsam, wenn auch etwas pointenfixiert die Filme des 24-jährigen Karl Bretschneider: In den Viertelstündern "Coming Home" und "Grauzone" lenkt beide Male Georg Friedrich ein Auto ins unerwartete Desaster.


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