STADTRAND

Fürstliches Geschenk

Stadtleben | aus FALTER 32/04 vom 04.08.2004

Seit dem Frühjahr hat der Alsergrund neben dem am Sonntag offenen Billa am Franz-Josefs-Bahnhof eine zweite Freizeitattraktion: Hans-Adam I. von Liechtenstein schenkte dem Volk nicht nur ein renoviertes Palais, sondern auch einen schmucken Park. Und wahrlich - der Fürst ließ sich nicht lumpen. Saftiges Grün sprießt vor barocken Fassaden. Weiß gekieselte Wege schlängeln sich zwischen breitstämmigen Bäumen, die zum Anlehnen einladen. Eine Oase im sonst nur an räudigen Beserlparks reichen Neunten. Bloß: Für Menschen, die wie Niki Lauda erkannt haben, dass pausenloses Rundendrehen nervt, ist der Garten unbenützbar. Graue Wächter scheuchen Besucher von der Wiese, Alternativen haben sie keine anzubieten. Alle Bänke wurden in Respektabstand zum Blätterdach aufgestellt; auf drei davon knallt die Sonne, der Rest steht beim Spielplatz. Wer Warnungen vor Hautkrebs ernst nimmt und nicht schätzt, dass einem ständig Kinder ins Ohr plazen, wird dort nicht alt. Blieb von den 25 Millionen, die Hans-Adam in sein Palais butterte, kein bisschen Kleingeld für die Pflege eines plattgelegenen Rasens über? Langt der blaublütige Reichtum nicht mehr für ein paar Bänke in lauschigen Ecken? Vielleicht könnte aber auch das rote Wien nachhelfen. Man muss ja nicht gleich an Enteignung denken. G. J.


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