VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 33/04 vom 11.08.2004

Während Fotograf Rainer Dempf auf einer Fotoseite ein merkwürdiges Wiener Phänomen dokumentierte (die Redaktion nannte die schwarzen, auf verschiedene Hausmauern der Stadt gepinselte Silhouetten die "Schattenwelt von AngstLand"), konterkarierte das Editorial dieses finstere Wien mit einer heiteren Note. Nichts Neues unter der Sonne: Fordern heute unisono alle Wiener Parteien mehr Polizisten auf der Straße, kam bereits damals der stets gut gelaunte Innenminister "Charly" Blecha diesem Bedürfnis entgegen.

  Demzufolge hieß es im Falter: "Unsere Sicherheitswachorgane sind seit kurzem nicht wiederzuerkennen: STAPOS versehen ihren Dienst mit Pappnase und Federhütchen, WAPOS würzen ihre Patrouillengänge mit Häschen-hüpf und Stepeinlagen, Verkehrspolizisten drehen Pirouetten und verzieren ihre Strafmandate mit pornografischen Buntstiftzeichnungen, nach Patschulli duftende Offiziere in blumengeschmückten Uniformen verteilen Zuckerwerk und Luftballons an Sandler und Demonstranten oder geben Schnurren aus dem Polizeipräsidium zum Besten. Alles strahlt, alles lacht. Der Grund: Seit Anfang Juli sucht Innenminister Karl Blecha nach dem freundlichsten Polizisten Österreichs. Es handelt sich dabei um eine gemeinsame Aktion des Innenministeriums, der Österreichischen Fremdenverkehrswerbung und der Ö3-Redaktion. Wie Blecha betonte, sei Österreich als Fremdenverkehrsland nicht nur durch seine Landschaft und seine Kulturschätze, sondern auch durch seine Sicherheit attraktiv. Die Exekutive sollte daher im Interesse des Fremdenverkehrs und der Urlauber getreu dem Grundsatz ,Helfen statt Strafen' handeln und sich vor allem bei Ortsunkundigen bemühen, Verständnis statt Zorn zu wecken." Falter-Nachsatz: "Ab Herbst kann die Sau wieder rausgelassen werden." a.t.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige