Die entmündigte Millionärin

Politik | FLORIAN KLENK | aus FALTER 33/04 vom 11.08.2004

JUSTIZ Einst war sie Döblings Grande Dame. Dann wurde sie entführt und versteckt. Die traurige Geschichte einer Wiener Millionärswitwe bietet Einblicke in die Nöte von Menschen, die von der Justiz entmündigt werden. 

Vor einigen Monaten, als sie wieder einmal vor Gericht erscheinen musste, deponierte die 90-jährige Millionärswitwe Herta Donner einen Wunsch. "Ich möchte wieder einen Hirsch schießen. Ich habe ja schon vierzig Hirsche geschossen." Vielleicht hat sie sich ja bei der Einvernahme zurückerinnert an jene Zeit, als sie mit ihrem Mann, einem stadtbekannten Architekturprofessor, die Steppen Afrikas und die Wälder Alaskas bereiste. Am Schneeberg wartete ein eigenes Revier mit drei Jägern. In der Garage des Döblinger Anwesens, gleich neben dem Mercedes, hängen noch heute präparierte Elche als stumme Zeugen einer längst vergangenen Zeit an der Wand.

  Herta Donner, deren Mann als Nachkriegsarchitekt ein Vermögen verdiente, war es stets gewohnt, als Grande Dame zu leben.


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