Kommentar

Die Rechtschreibgegenreformation

CARSTEN FASTNER | Kultur | aus FALTER 33/04 vom 11.08.2004

Seit vergangenem Freitag hat die Diskussion über die deutsche Rechtschreibung ihren Charakter als Sommerlochfüller wohl endgültig verloren; umgewöhnungsträge Leserbriefschreiber brauchen die Öffentlichkeit nicht länger mit ihren laienphilologischen Sophistereien und Selbsterfahrungsberichten zu langweilen: Mit der Ankündigung, schnellstmöglich zum alten Regelwerk von vor 1998 zurückzukehren, sind die deutschen Qualitätsmedien Spiegel und Süddeutsche Zeitung sowie die Springer-Titel Bild und Welt im Begriff, Tatsachen zu schaffen.

In einer gemeinsamen Erklärung teilten sie mit, dem Vorbild der Frankfurter Allgemeinen zu folgen und künftig rund sechzig Prozent der Bevölkerung in Deutschland wieder mit Nachrichten in - flugs in den Stand des "Klassischen" versetzter - alter Rechtschreibung zu versorgen. Das mag man als "nackte Pressegewalt" an einem demokratisch legitimierten Vorgang kritisieren, wie es ein Mitglied der zwischenstaatlichen Kom-mission für die deutsche Rechtschreibung

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