ALMA-MAHLER-BIOGRAF OLIVER HILMES

"Gelogen, dass sich die Balken biegen"

Kultur | aus FALTER 33/04 vom 11.08.2004

Der Biograf Alma Mahler-Werfels ist der 33-jährige deutsche Historiker Oliver Hilmes. Er promovierte mit einer Arbeit über die politische Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts und arbeitete in der Intendanz der Berliner Philharmoniker.

Falter: Wie kann man den Antisemitismus einer Frau verstehen, die während ihres ganzen Lebens mit Juden zusammen war?

Oliver Hilmes: Alma war keine ideologische Antisemitin, das heißt, sie hat sich nicht für die rasant populär werdenden Rasseschriften der Jahrhundertwende interessiert. Antisemitismus war für sie ein Machtinstrument, das sie einsetzte, um ihr nahe stehende Menschen zu demütigen. Alma hatte einen Selbstwertkonflikt, und ihre Klagen über ihre "armselige Halbnatur" sind bereits in ihren frühen Tagebuchaufzeichnungen zu lesen.

Was hat das mit den Liebesbeziehungen zu tun?

Alma kompensiert den Konflikt mit der eigenen Person, indem sie jüdische Männer anzieht und demütigt, sobald diese ihr näher gekommen sind. Sie selbst überhöht sich


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